Von der Angst im Herzen, Mitleid und Zuckerwattewolken >> ein Statement.



Hello meine Liebe.

Wow. Schon wieder ein Anschlag. Ich konnte es kaum fassen, als ich diese Nachricht gehört habe. Und es ist irgendwie komisch, denn als vor ein paar Monaten erst Frankreich Opfer dieser (für mich sinnlosen) Anschläge war, habe ich gerade eine tolle Zeit im Land meiner Verwandten verbracht. Aber was es für die Menschen, die hier waren und auf die Rückkehr von mir und meiner Freundin gewartet haben bedeutet hat, wird mir erst jetzt richtig klar. Denn nun ist eine von meinen Lieblingsmenschen in Übersee und ich habe Angst. Gestern, bevor ich mich ans schreiben dieses Textes hier machte, habe ich mich mit einer fast schon panischen Kollegin unterhalten und auf einmal hörte man von überall die verschiedensten Aussagen. Heute morgen noch haben sich im Bus drei Frauen unterhalten, eine Muslima erzählte, dass es in der Türkei genauso schlimm sei wie hier - denn da seien die Menschen in eine Moschee gegangen und beim Beten sei die erste Bombe gefallen. Egal, wohin man hört - gute Nachrichten gibt es keine.

Aber genau solche Aussagen bringen mich dazu, nicht in Hass zu verfallen sondern mein Herz mit Mitleid zu erfüllen für die Opfer und Hinterbliebenen. Kurz nach den Anschlägen in Frankreich saßen meine Gute und ich am Flughafen in Sydney und haben überlegt. Unsere Freunde wussten, dass wir an diesen Tag fliegen, die Familien sowieso - allen kurzfristig noch zu sagen, dass wir sie lieben, erschien übertrieben. Also haben wir einen Post für facebook verfasst, den ich heute mit dir teilen möchte. Ihn jetzt nochmal zu lesen hilft, mir nicht solche Sorgen um die Freundin in Übersee zu machen und an die Menschen zu denken, die in Belgien so viel verloren und so viel Leid erlitten haben:

"Heute ist der erste Tag unserer Rückreise nach Deutschland, und ich will ganz ehrlich sein: am liebsten wären C. und ich noch hier in Australien geblieben. Nicht nur wegen dem Stückchen Paradies in dem wir leben durften oder H. und M., die uns so liebevoll beherbergt haben. Auch wegen den Zuständen in Paris, die auch die Nachrichten hier beherrschen. Es ist komisch, in einen Flieger zu steigen und zum ersten Mal diese spezielle Art von Angst zu haben. Denn sowas passiert doch nicht hier, diese Nachrichten sind wir aus Amerika, Syrien und co gewohnt. Wie naiv dieses Gefühl doch war. Und dennoch sind unsere Gedanken nicht bei den Terroristen, die unsere Welt erschüttert haben. Nein. Voller Mitgefühl sind wir gedanklich bei denen, die auf einen Schlag so viel verloren haben. Bei unseren Familien und Freunden, die wir jetzt noch mehr vermissen als vorher. Wie heißt es noch so schön? "Doch die Liebe ist die stärkste unter ihnen" Daran will ich glauben. Und statt an alle hätte-wenn-und-aber-Sätze zu denken, werde ich im Flieger sitzen und die Zuckerwattewolken bewundern, mich über die wunderschöne Aussicht freuen und einfach darauf warten, zuhause anzukommen."

Heute schaue ich auch auf Zuckerwattewolken. Erinnere mich an diese kleinen schönen Dinge im Leben, wie Schokolade die im Mund zerschmilzt, unter Freunden Insiderwitze erzählen und ausgekitzelt werden. Wie ich zur Tür rein komme, meine Mitbewohnerin fragt "Tee?" und gleichzeitig die Kanne schon aufgesetzt hat. Leckere Süßkartoffelsuppe, die ich morgen in der Mittagspause verputzen kann, weil ich heute nicht dazu gekommen bin.

Heute freue ich mich einfach, am Leben zu sein. Denn vielleicht habe ich nicht immer das Glück, von solchen schlimmen Nachrichten "verschont" zu bleiben. Und dann brauche ich die Kraft, die ich heute tanken kann.

Vielen Dank fürs Lesen.
Liebste Grüße,
Nessa

(Und denk dran: "There is no angry way to say: 'bubbles'.")
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